Tschüss Windows, hallo CachyOS: Mein Umstieg auf Linux
Ich hab es endlich gemacht: Windows ist runter, auf meinem Rechner läuft jetzt CachyOS. Das Thema hatte ich schon länger im Kopf und jetzt war einfach der richtige Zeitpunkt. Hier ein Erfahrungsbericht für alle, die auch schon mal mit dem Gedanken gespielt haben.
Warum CachyOS?
CachyOS basiert auf Arch Linux und ist stark auf Leistung getrimmt. Die Pakete sind für moderne Prozessoren optimiert und es gibt einen eigenen, angepassten Kernel. Das merkt man im Alltag, das System fühlt sich richtig flott an. Gleichzeitig nimmt einem der grafische Installer viel Arbeit ab, man muss also kein Linux Profi sein, um loszulegen.
Was braucht man?
Die Anforderungen sind überschaubar. Laut CachyOS reichen schon 3 GB RAM und 30 GB Speicherplatz, empfohlen werden 4 GB RAM, 50 GB Platz und eine schnelle Internetverbindung. Bei der Grafikkarte sollte es eine neuere AMD, Intel oder NVIDIA Karte ab der 900er Serie sein. Ganz ehrlich: Jeder halbwegs aktuelle Rechner schafft das locker.
Außerdem braucht ihr einen USB Stick mit mindestens 8 GB.
So bin ich vorgegangen
1. Backup machen. Klingt langweilig, ist aber das Wichtigste. Alle Fotos, Dokumente und Passwörter habe ich vorher auf eine externe Festplatte gesichert. Bei der Installation wird die Platte nämlich formatiert.
2. ISO laden und USB Stick erstellen. Die ISO Datei gibt es direkt auf der CachyOS Seite. Mit einem Tool wie Ventoy oder balenaEtcher wird daraus ein bootfähiger USB Stick.
3. Vom Stick starten. Rechner neu starten, ins Bootmenü gehen (meist F12, F11 oder Entf, je nach Hersteller) und den USB Stick auswählen. Jetzt startet CachyOS erstmal im Live Modus. Hier könnt ihr in Ruhe testen, ob WLAN, Sound und Grafik funktionieren, ohne dass etwas installiert wird.
4. Installer starten. Im Begrüßungsfenster „CachyOS Hello“ klickt ihr auf „Launch Installer“. Dann geht es Schritt für Schritt durch:
- Bootloader: Hier gibt es mehrere zur Auswahl. Wer sich nicht auskennt, nimmt einfach die Empfehlung des Installers.
- Dateisystem: Zur Wahl stehen unter anderem ext4 und Btrfs. Btrfs hat den Vorteil, dass man Snapshots machen und bei Problemen auf einen früheren Stand zurückspringen kann.
- Desktop: Standard ist KDE Plasma. Für Umsteiger von Windows finde ich das ideal, weil Taskleiste und Startmenü sehr ähnlich funktionieren. Es gibt aber auch GNOME, XFCE, Cinnamon und einige mehr.
5. Einrichten. Nach dem Neustart habe ich als Erstes alle Updates eingespielt und dann meine Programme installiert. Vieles bekommt man direkt über die Paketverwaltung, Browser, Office und Co sind in wenigen Minuten drauf.
Die ausführliche Anleitung mit allen Details findet ihr im offiziellen CachyOS Wiki, das es sogar auf Deutsch gibt:
- CachyOS installieren (offizielle Anleitung)
- Installation und Partitionierung (Deutsch)
- Startseite des CachyOS Wiki
Wie läuft es im Alltag?
Deutlich entspannter als gedacht. Updates kommen regelmäßig und ohne dieses ständige „Bitte nicht ausschalten“ wie unter Windows. Und auch beim Zocken bin ich positiv überrascht, vieles läuft dank Steam und Proton einfach.
Der einzige Haken: Streaming in Full HD
Eine Einschränkung habe ich aktuell: Bei den meisten Streaming Anbietern bekomme ich im Browser kein Full HD. Das hat nichts mit der Leistung des Rechners zu tun, sondern mit dem Kopierschutz.
Die Anbieter verschlüsseln ihre Videos mit einem System namens Widevine von Google. Davon gibt es verschiedene Sicherheitsstufen. Bei der höchsten Stufe L1 läuft die Entschlüsselung in einem abgeschotteten Bereich direkt in der Hardware, also im Chip. Das gibt es zum Beispiel bei Smartphones, Smart TVs oder Streaming Sticks. Bei der niedrigsten Stufe L3 passiert alles nur in Software.
Und genau hier liegt das Problem: Browser am PC nutzen Widevine immer nur in der Stufe L3, egal ob unter Windows, macOS oder Linux. Weil eine reine Softwarelösung leichter zu knacken ist, liefern viele Anbieter dann nur eine reduzierte Qualität aus.
Am deutlichsten merke ich das bei Amazon Prime Video. Unter Linux gibt es im Browser nur SD Qualität, also ungefähr 480p bis 540p. Das ist auf einem großen Monitor schon spürbar unscharf. Unter Windows bekommt man im Browser dagegen HD. Auch Disney+ streamt im Desktop Browser nur in 720p.
Unter Windows können manche Anbieter das umgehen, weil sie dort zusätzlich auf Microsofts eigenen Kopierschutz PlayReady setzen, der die Hardware nutzen kann. Den gibt es unter Linux nicht. Da es sich um eine Entscheidung der Anbieter handelt, kann man das als Nutzer leider auch nicht einfach umstellen.
Ist ärgerlich, aber für mich absolut verschmerzbar. Für den Serienabend nehme ich dann eben den Fernseher.
Mein Fazit
Ich bereue den Wechsel bisher keine Sekunde. Das System ist schnell, aufgeräumt und ich habe endlich wieder das Gefühl, dass mein Rechner mir gehört. Wer neugierig ist, kann CachyOS einfach vom USB Stick aus testen, ohne etwas zu installieren.
Wenn ihr Fragen zum Umstieg habt, meldet euch gern!
Quellen:
- CachyOS Wiki: Installationsanleitung
- Widevine Sicherheitsstufen L1, L2 und L3 erklärt (Englisch)
- Linux Adictos: Prime Video in 1080p unter Linux (Englisch)
Christian Ackermann
Softwareentwickler (C++, C, Java, C#) aus der Oberpfalz, bloggt seit 2001 über Linux, Technik und Kochen.