AMD Legacy-Treiber: Fehlende OpenCL-Unterstützung unter Windows 10 beheben

Hinweis: Stand Juli 2016. Die Anleitung bezieht sich auf alte Treiber (Crimson, UnifL). Die verlinkte ZIP-Datei auf Google Drive stammt aus 2016. Kopiere Dateien aus fremden Quellen nur in Systemverzeichnisse, wenn du ihnen vertraust und sie geprüft hast.
AMD hat zahlreiche ältere Grafikkarten in den Legacy-Treiber-Support verschoben, mit neuen Updates ist daher nicht mehr zu rechnen. Leider fiel dabei der OpenCL-Support der neuesten Version weg, obwohl er in der Software „Radeon Settings“ (Version 2.x) angezeigt wird. Wer zwingend OpenCL braucht und auf den neuesten Treiber setzen möchte, findet hier einen möglichen Lösungsvorschlag.
Was verbirgt sich hinter OpenCL?
OpenCL ist eine Schnittstelle, die die Leistung aktueller Grafikprozessoren auch für nicht-grafische Anwendungen nutzbar macht. In Adobe Photoshop, Lightroom und Premiere Pro profitiert man von den freien Ressourcen der Grafikkarte. In Premiere Pro lässt sich bei höheren Auflösungen die Timeline flüssig wiedergeben. Für Videoschnitt und Color Grading nutze ich die Freeware DaVinci Resolve 12 von Blackmagic Design. Ohne OpenCL ist die Anwendung nicht vernünftig bedienbar.
Die Community ist gefordert
Mit dem Upgrade auf Windows 10 wurden neue Treiber fällig. Zum Teil liegt das auch an der veränderten Technik für den Wechsel zwischen integrierter und dedizierter Grafik. Gerade bei Notebooks ist man wegen „Switchable Graphics“ an den Hersteller gebunden, der den Treiber-Support kurz nach Marktstart auslaufen lässt. Eine Lösung bietet Aliaksei Dzenisevich mit seinem Projekt leshcatlabs.net. Die Community wird dort seit 2010 mit den neuesten Treibern für die integrierte Intel-Grafik und die dedizierte AMD-Grafikkarte versorgt. Die offiziellen AMD-Treiber werden in dem privaten Projekt optimiert und an die Bedürfnisse der Nutzer angepasst. Da die offiziellen Treiber die Grundlage bilden, war abzusehen, dass auch dort im letzten Release der OpenCL-Support entfällt. Eine funktionierende Lösung konnte ich bei meinen Recherchen nicht finden und habe deshalb selbst einen Versuch gestartet.
Warum fehlt OpenCL in der aktuellen Version?
Die aktuelle Version zeigt OpenCL 2.0 an, die betroffenen Grafikkarten unterstützen aber nur den Standard 1.2. Entweder wurde die falsche Version ausgeliefert, oder die Unterstützung wurde in einer Nacht-und-Nebel-Aktion entfernt. In dieser Form ist der Treiber von AMD keine Glanzleistung.
Treiberanalyse: Vergleich der Versionen
Mit der vorherigen Treibergeneration konnte man auf die OpenCL-Fähigkeiten zurückgreifen, eine Detailprüfung des aktuellen Treibers könnte deshalb einen Ansatzpunkt liefern. Bei fast 700 MB Downloadgröße war das kein leichtes Unterfangen und hat mich mehrere Nächte gekostet. Am Ende kam ich durch die Anpassung mehrerer INF-Dateien und das Kopieren von Dateien zu einer brauchbaren und für Laien praktikablen Lösung.
Bei der vorherigen Bereinigung mit DDU (Display Driver Uninstaller) werden dringend benötigte DLLs und EXE-Dateien entfernt, die vereinfacht gesagt die OpenCL-Unterstützung übernehmen. Diese Dateien konnte ich aus dem vorherigen Release sichern und in mein Google-Drive-Konto hochladen, damit du mehrere Schritte überspringen kannst.
Unterstützte Grafikkarten des Crimson-Treibers (Legacy)
- AMD Radeon™ R5 235X, R5 235, R5 230, R5 220 Series Graphics
- AMD Radeon™ HD 8470, HD 8350, HD 8000 (D/G-Varianten) Series Graphics
- AMD Radeon™ HD 7000 bis HD 7600 (einschließlich A/D/G/M-Varianten) Series Graphics
- AMD Radeon™ HD 6000 (einschließlich A/D/G/M-Varianten) Series Graphics
- AMD Radeon™ HD 5000 (einschließlich M-Variante) Series Graphics
Unterstützte Grafikkarten des UnifL-Treibers
- AMD (M-Variante) 5xxx / 6xxx / 7xxx / 8xxx / Rxxx Series
- Intel HD / HD 2000 / HD 2500 / HD 3000 / HD 4000 / Iris / Haswell / Broadwell CPU Embedded Graphics
Kurzanleitung
- Intel- und AMD-Treiber mit dem Display Driver Uninstaller (DDU) deinstallieren.
- System neu starten.
- Den letzten Crimson– oder UnifL-Treiber installieren.
- System neu starten.
- Die DLLs aus dem ZIP-Archiv in die Verzeichnisse System32 und SysWOW64 kopieren.
- Fehlen Schreibrechte, Windows im abgesicherten Modus starten.
- System neu starten.
- OpenCL mit einer geeigneten Anwendung testen, zum Beispiel mit GPU-Z.
Hat dieser Workaround bei dir funktioniert? Teile deine Erfahrungen gern in den Kommentaren. Bei Rückfragen kannst du dich jederzeit an mich wenden.
Christian Ackermann
Softwareentwickler (C++, C, Java, C#) aus der Oberpfalz, bloggt seit 2001 über Linux, Technik und Kochen.