Monitor kalibrieren unter Linux: Spyder5 Pro mit ArgyllCMS, DisplayCAL und KDE Plasma

Den Spyder5 Pro hab ich damals für Windows gekauft. Nach dem Wechsel auf CachyOS lag er erst mal in der Schublade, Datacolor gibt’s ja nur für Windows und Mac. Irgendwann hat’s mich dann aber genervt. Drei Monitore auf dem Tisch – ein Dell U2412M, zwei HP 24fw – und jeder hatte sein eigenes Weiß. Beim rechten HP ist mir erst neben dem Dell aufgefallen, wie rosa der eigentlich war.
Der Spyder geht unter Linux übrigens wunderbar. Halt ohne Datacolor-Software. Man braucht ein paar andere Programme und muss ein bisschen ins Terminal, aber das hält sich in Grenzen.
Was ich benutzt habe
Drei Programme, alle bei CachyOS (und Arch) mit einem Befehl installiert:
- ArgyllCMS misst mit dem Spyder und baut daraus das Farbprofil.
- DisplayCAL ist die grafische Oberfläche dazu. Ich hab sie nur für die Spyder-Korrekturdaten und zum Anschauen der Profile gebraucht, das Titelbild stammt daher.
- ddcutil stellt Helligkeit und Farben direkt am Monitor ein, vom Rechner aus. Kannte ich vorher nicht, will ich jetzt nicht mehr missen.
Den Rest macht KDE Plasma, das lädt am Ende die Profile.
Kurz vorweg
Der Spyder5 braucht Korrekturdaten von Datacolor, sonst misst er daneben. Die darf ArgyllCMS nicht mitliefern. DisplayCAL holt sie sich aber selbst: im Menü unter Werkzeuge ? Korrektur ? Colorimeter-Korrekturen … importieren. Einmal klicken, fertig.
Als Ziel hab ich die üblichen Werte genommen, Weißpunkt D65 und Gamma 2,2. Bei der Helligkeit hab ich erst die oft empfohlenen 120 cd/m² probiert. Viel zu dunkel für mein Arbeitszimmer, jetzt sind’s 160. Wichtig war mir eigentlich nur, dass alle drei gleich hell sind.
Ach ja: Die Monitore vorher eine halbe Stunde warmlaufen lassen. Kalt verschieben sich die Farben noch.
So bin ich vorgegangen
Erst hab ich die Monitore selbst so gut es geht eingestellt, danach erst das Profil gemessen. Je weniger der Rechner später nachbiegen muss, desto sauberer bleiben die Farbverläufe.
Das Schöne: Mit ddcutil geht das vom Terminal aus. Kein Gefummel mit den Monitortasten, während der Sensor vor dem Bild baumelt und bei jeder Berührung wackelt. ArgyllCMS zeigt dabei laufend an, wie weit man noch vom Ziel weg ist, und man dreht so lange an Rot, Grün und Blau, bis es passt. Beim rechten HP stand Grün übrigens auf 211 von 255 – da kam der Rosastich her.
Danach misst ArgyllCMS ein paar Dutzend Farbfelder und rechnet das Profil aus. Beim Dell hab ich noch die Graustufen extra kalibriert, bei den HPs nicht. Der Spyder ist bei dunklen Feldern ziemlich lahm, das hätte pro Monitor fast eine Stunde gedauert. Am Ergebnis ändert das unter KDE kaum was.
Alle Befehle für einen Monitor, zum Nachmachen (Nummern und Werte natürlich an die eigenen Monitore anpassen):
# Programme installieren
sudo pacman -S argyllcms displaycal ddcutil
# Monitore und ihre Nummern anzeigen
ddcutil detect
# Kalibrieren starten (Monitor 1, D65, 160 cd/m², Gamma 2.2)
# Im Menü "2" wählen, dann parallel in einem zweiten Terminal einstellen:
dispcal -v -d 1 -c 1 -y e -t 6500 -b 160 -g 2.2 -q m Dell
# ddcutil -b 9 setvcp 10 40 16 255 18 234 1A 236
# (Helligkeit, Rot, Grün, Blau) – so lange, bis es passt
# Danach im Menü "7" für die eigentliche Kalibrierung
# Farbfelder messen und Profil erstellen
dispread -v -d 1 -c 1 -y e -k Dell.cal Dell
colprof -v -q h -a S -D "Dell" Dell
# Profil in KDE eintragen
cp Dell.icc ~/.local/share/icc/
kscreen-doctor output.HDMI-A-1.iccprofile."$HOME/.local/share/icc/Dell.icc"
kscreen-doctor output.HDMI-A-1.colorProfileSource.ICCDas Profil kann man auch ohne Terminal eintragen: Systemeinstellungen ? Anzeige und Monitor ? Farbprofil auf „ICC-Profil“ und die Datei auswählen.
Zwei Fallen
Da hab ich mit alten Anleitungen erst mal Zeit verplempert: Früher hat DisplayCAL das Profil beim Anmelden selbst geladen. Unter Wayland passiert da gar nichts mehr. Das Profil gehört in die KDE-Einstellungen.
Und dann noch der Helligkeitsregler von KDE. Der stellt bei externen Monitoren die echte Monitorhelligkeit ein. Wer dran dreht, verstellt die Kalibrierung. Ich lass ihn seitdem in Ruhe.
Was rausgekommen ist
Messen kann man das natürlich auch: Alle drei liegen jetzt deutlich unter der Grenze, ab der man Farbunterschiede überhaupt sieht. Aber die Zahlen sind gar nicht der Punkt. Ich zieh ein weißes Fenster vom Dell rüber auf den HP, und es bleibt einfach weiß. Kein Rosa, kein Gelb, nicht mal ein Helligkeitssprung.
Und jetzt?
Falls bei dir auch noch ein Spyder5 in der Schublade liegt, seit du auf Linux bist: rausholen. Es ist ein Abend Arbeit, und man sollte keine Angst vorm Terminal haben. Dafür sieht danach alles so aus, wie es soll.
Ende des Jahres mess ich nochmal nach, die LEDs werden ja auch nicht jünger. Die Befehle hab ich mir ja jetzt aufgeschrieben.
Christian Ackermann
Softwareentwickler (C++, C, Java, C#) aus der Oberpfalz, bloggt seit 2001 über Linux, Technik und Kochen.